Soziale Phobie

Was ist eine soziale Phobie?

Eine soziale Phobie herrscht dann vor, wenn Menschen Angst davor haben, von anderen beobachtet, bloßgestellt, kritisiert oder negativ beurteilt zu werden. Betroffene vermeiden deshalb soziale Anlässe, in denen sie im Mittelpunkt stehen, vor anderen reden müssen oder mit anderen essen müssen. Körperliche Symptome wie Erröten, Zittern, Herzrasen, Schwindel, Toilettendrang oder sogar die Angst zu erbrechen können in diesen Situationen bei den Betroffenen auftreten. Die soziale Phobie gilt als dritthäufigste Störung nach Depressionen und Alkoholabhängigkeit.

Kompensatorisch verhalten sich Sozialphobiker oft perfektionistisch und stark fehlervermeidend, um nicht in den Fokus der Aufmerksamkeit zu geraten, Konflikte zu vermeiden und ein befürchtetes Verlassenwerden von geliebten Menschen in Ihrem Umfeld zu verhindern. Dadurch haben Sozialphobiker in dem, was sie tun, oft eine sehr hohe Kompetenz. Menschen mit einer sozialen Phobie haben oft ein negatives Selbstbild und einen geringen Selbstwert. Bei vielen Menschen (aber nicht zwangsläufig), die an einer sozialen Phobie leiden, treten im beruflichen Kontext oft auch Lampenfieber, Präsentationsangst oder Redeängste auf.

Die Effektivität kognitiver Verhaltenstherapie bei der Behandlung der sozialen Phobie ist vielfach wissenschaftlich belegt und mit der Anwendung von klinischer Hypnose habe ich ebenfalls ausgezeichnete Erfahrungen gemacht bei der praktischen Anwendung gegen die Sozialphobie.

Wie häufig tritt eine soziale Phobie auf?

Statistisch gesehen scheinen Frauen etwa 1,5 bis 2 häufiger von der sozialen Phobie betroffen zu sein. Sehr häufig tritt neben der sozialen Phobie auch noch eine andere Angststörung, depressive Störung oder Abhängigkeitserkrankung auf. Der Beginn der sozialen Phobie liegt meist im Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter; ein Beginn nach dem 25. Lebensjahr ist eher selten. Unbehandelt hält die soziale Phobie oft über mehrere Jahrzehnte an und die Ängste entwickeln somit einen chronischen Verlauf.

Während früher im Zusammenhang mit der sozialen Phobie einfach etwas verharmlosend von “Schüchternheit“ gesprochen wurde, ist aus Studien inzwischen längst deutlich geworden, dass der Begriff Schüchternheit den subjektiv empfundenen starken Einschränkungen durch die Ängste und dem großen Leidensdruck der Betroffenen nicht gerecht wird.

Wie entsteht eine soziale Phobie?

In mehreren wissenschaftlichen Studien fand man heraus, dass vor allem die Kombination aus elterlicher Überbehütung mit starken Tendenzen zu Kritik und Zurückweisung die Wahrscheinlichkeit der Entstehung einer sozialen Phobie erhöht. In Bezug auf Temperament und Persönlichkeit des Kindes ist die sog. Verhaltenstendenz des „Behavioral Inhibition“ bei der Entstehung der sozialen Phobie relevant. Das bedeutet, dass Kinder auf neue Situationen mit anfänglicher Zurückhaltung und Hemmung sowie verstärkter physiologischer Aktivierung reagieren. Forschungsergebnissen zufolge begünstigt dies die Entstehung von Angsterkrankungen im Allgemeinen und der sozialen Phobie im Besonderen.

Psychotherapie der sozialen Phobie

Eine Vielzahl von Studien belegt inzwischen die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie bei der Sozialphobie. Wichtige Elemente im Laufe dieser Behandlungsform sind sowohl die Identifikation und Veränderung dysfunktionaler Gedanken und Grundüberzeugungen die mit der Sozialphobie oft einhergehen (z.B. “jemand könnte sehen, dass meine Hände beim Essen zittern und die anderen sehen das und denken: was ist denn das für eine? – wahrscheinlich wollen die dann nichts mehr mit mir zu tun haben“) sowie die gezielte Konfrontation mit vorher vermiedenen Situationen, die Angst auslösen.

Zusammen mit dem Therapeuten wird im Vorfeld erarbeitet, welche sozialen Situationen besonders viel Angst auslösen, welche weniger und welche sozialen Situationen nur geringe Ängste auslösen. Diese sog. ‚Angsthierarchie‘ kann dann genutzt werden, beginnend mit der schwächsten Angst, sich allmählich mit den sozialen Ängsten zu konfrontieren. Durch die Konfrontationen mit den Ängsten in Alltagssituationen können dann auch systematisch die Befürchtungen (“wenn meine Hände beim Essen zittern wollen die anderen nichts mehr mit mir zu tun haben“) überprüft werden (Ist das wirklich so oder ist es für die anderen eher uninteressant?).

Was ist Sicherheitsverhalten bei der sozialen Phobie?

Darüber hinaus wird besprochen, durch welches Verhalten versucht wird, Symptome der Sozialphobie zu kaschieren. Als Beispiel: eine Angestellte benutzt besonders viel Makeup oder ein Halstuch bei einem Vortrag, um ein evtl. Erröten kaschieren zu können; oder einen Gegenstand in die Hand nehmen, um ein vermeintliches Zittern der Hand zu verstecken u.v.m. Diese Verhaltensweisen werden auch als Sicherheitsverhalten bezeichnet. Im Therapieprozess ist es wichtig daran zu arbeiten, das Sicherheitsverhalten abzulegen, da es zwar kurzfristig zu einer emotionalen Entlastung führt, langfristig aber zur Aufrechterhaltung der Sozialphobie. Die soziale Phobie kann bei ausreichender Mitarbeit seitens des Klienten gut bewältigt werden.

Behandlung der Sozialphobie mit klinischer Hypnose

Eine andere Art der Therapie, die bei dieser Angststörung hilfreich ist, ist die Hypnosetherapie. Die Wirksamkeit der klinischen Hypnose ergibt sich auch aus der Möglichkeit, in der Trance Situationen vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, die normalerweise die sozialen Ängste auslösen, also ohne diese Situationen sofort in der Realität aufsuchen zu müssen. Die Anwendung der Hypnose ermöglicht also eine Konfrontation mit sozialen Situationen, die Angst auslösen, mit Hilfe von inneren Bildern. Darüber hinaus können in der Hypnosetherapie alte Selbstwertverletzungen aufgearbeitet werden, die mit der Entwicklung der Sozialphobie in Verbindung stehen. Dadurch ist die Anwendung der Hypnotherapie so effektiv in der Behandlung der sozialen Phobie, wie generell auch bei anderen Angststörungen.