Was ist Hypnose?

Klinische und therapeutische Hypnose

Hypnose gilt als ältestes Heilverfahren der Menschheitsgeschichte. Als Hypnose bezeichnet man die Methode, die zum Erreichen der so genannten “hypnotischen Trance“ eingesetzt wird. Dabei verwendet der Hypnosetherapeut verschiedene Einleitungen (sog. Induktionen), um Sie in eine hypnotische Trance zu führen. In der Trance verändern sich verschiedene Körperfunktionen. So verlangsamt sich zum Beispiel der Herzschlag, der Blutdruck sinkt und die Atmung wird ruhiger. Auch die Durchblutung der Haut wird besser, der Verdauungstrakt entkrampft sich und die Muskulatur entspannt sich.

Durch diese körperlichen Veränderungen wird die Trance als sehr angenehm empfunden und es entsteht ein sehr positives Körpergefühl. Daher wird der Effekt tiefer Entspannung als sehr wohltuend erlebt, so dass sogar im Wellness Bereich mit Entspannung und Hypnose als Methode der Stressreduktion gearbeitet wird. Für viele Menschen ist diese Methode des Stressabbaus sehr erholsam und gleichzeitig vitalisierend. Einige Hypnotiseure verwenden die Hypnose sogar im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung zur Steigerung von Ausstrahlung und Charisma. Darüber hinaus kann der positive Effekt der Hypnose gezielt bei Schlafstörungen oder Erschöpfungszuständen genutzt werden um tiefe körperliche Regeneration zu erzielen und auch Attraktivität und Schönheit auf natürlichem Wege zu fördern. Auch Sportler nutzen zunehmend die Kraft der Hypnose zur Leistungssteigerung oder zum Abbau von Ängsten.

Die Trance wird vom Hypnotherapeuten dazu genutzt, in der Kooperation mit dem Hypnotisanden (Bezeichnung für den Klienten in der Hypnosebehandlung) im Rahmen der Therapie problematische Lebensthemen zu bearbeiten. Da der Zugang zum inneren Erleben in der Trance im Vergleich zum Wachzustand stark verbessert ist, ist die Arbeit mit Hypnose in der Psychotherapie sehr tiefgreifend und wirksam.

Wie wir Trance erleben

Die Trance hat nicht nur einen positiven Einfluss auf den Körper, sondern auch auf den Geist, da eine besondere Wachheit und Klarheit auftritt. Dies ermöglicht es, vergangene Lebenserfahrungen in einem neuen Licht zu betrachten und die damit verbundenen Gefühle, wie z.B. Trauer, Angst oder Eifersucht, zu verarbeiten. Wir können kreative Lösungen für Probleme finden oder Probleme aus einem anderen Blickwinkel betrachten, um zu einer Lösung zu gelangen.

Auch wenn sich dies erst einmal wie ein ganz besonderer Bewusstseinszustand anhört, so ist es doch so, dass wir Tranceerfahrungen aus dem Alltag gut kennen. Wenn wir z.B. im Kinosaal sitzen und ganz gefesselt sind von der Handlung des Films und dabei alles andere ausblenden, dann erleben wir eine Trance. Oder vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihrem letzten Urlaub in den Bergen, wo Sie den Schnee unter ihren Füssen knacken hörten, die kalte Luft atmeten, den klaren Blick in das Tal genießen konnten und fasziniert waren, von dem blauen Himmel über Ihnen? Und je tiefer Sie sich in diese Erfahrung begeben und diese mit allen Sinnen in der Vorstellung erleben, desto näher kommen Sie einer schönen Trance.

Sind wir alle hypnotisierbar?

In der wissenschaftlichen Forschung zur Hypnose sind verschiedene Tests zur Messung der Hypnotisierbarkeit, Suggestibilität und zur Bestimmung der Hypnosetiefe entwickelt worden. Studienresultate belegen, dass ungefähr zwei Drittel der Menschen normal hypnotisierbar sind, ein Drittel besonders gut hypnotisierbar und ein Drittel nur wenig hypnotisierbar. Die Arbeit in der Hypnosepraxis zeigt aber, dass Hypnotisierbarkeit keine feststehende Konstante ist, sondern sich auch abhängig von der Situation verändert. So verschieben sich diese Anteile z.B. bei Ratsuchenden in der Praxis, da Faktoren wie Leidensdruck, Veränderungsmotivation, Kooperation und Erwartungshaltung ebenfalls starken positiven Einfluss auf Hypnotisierbarkeit und Suggestibilität haben.  Wenn also die therapeutische Arbeit mit Hypnose gewünscht ist, dann kann sie in der Regel auch gewinnbringend eingesetzt werden, so dass die angestrebten Veränderungen erreicht werden.

Was bedeutet Tiefenhypnose?

Bezüglich der Trancetiefe gibt es immer wieder viele Missverständnisse. Man unterscheidet generell zwischen leichter, mittlerer und tiefer Trance. Einige Hypnosepraktiker vertreten die Ansicht, dass eine erfolgreiche Arbeit mit Hypnose nur in tiefen Trancezuständen gewährleistet werden kann. Es geht aber bei der effektiven Hypnose nicht darum, jemanden in eine Tieftrance zu „beamen“, um das Unbewusste dann mit Suggestionen „zu versorgen“.

Natürlich hat eine tiefe Trance, auch als Somnambulismus bezeichnet, durchaus ein grosses therapeutisches Potenzial. Vor allem bei der Behandlung von Schmerz, bei psychosomatischen Erkrankungen und bei der Therapie des Burnout-Syndroms kann die Tiefenhypnose ihre Kraft entfalten und zur Regeneration, zur physischen Stärkung und zur Immunsteigerung wesentlich beitragen. Dies bedeutet aber nicht, dass eine tiefe Trance in allen Sitzungen und zur Behandlung aller Beschwerden erforderlich wäre; wirksame therapeutische Arbeit ist auch in leichten und mittleren Trancezuständen möglich. Die Wirksamkeit einer Hypnosebehandlung lässt sich also nicht an der Trancetiefe festmachen, sondern an der Verwendung der geeigneten therapeutischen Interventionen, Behandlungstechniken und Strategien während der Hypnosetherapie.

Ist Hypnose lernen schwer?

Wahrscheinlich werden Sie jetzt überrascht sein, wenn ich Ihnen sage, dass es kinderleicht ist, jemanden in eine Hypnose zu versetzten. Hypnose lernen ist ganz einfach. Dies ist gleichzeitig ein weitverbreiteter Irrtum, denn der Zustand der Trance an sich ist über eine gute Hypnoseeinleitung (eine Induktion) schnell zu erzeugen. Und Hypnoseinduktionen kann man schnell lernen. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass dabei bereits ein therapeutischer Effekt erzielt worden sei, frei nach dem Motto: rein in die Hypnose, raus aus der Hypnose, Problem weg. Nein, mitnichten!

Denn das, was therapeutisch wirkt folgt erst, nachdem ein Trancezustand erreicht worden ist und genau diese Arbeit ist sehr anspruchsvoll und erfordert umfangreiches psychologisches Wissen. Darum gehört die Hypnotherapie immer in die Hand eines gut ausgebildeten Experten, der weiss, wie die Arbeit in der Trance auch dazu führt, dass dauerhafte (!) Lösungen für Probleme erzielt werden können. Und der als ausgebildeter Psychologe damit umgehen kann, wenn Hypnotisanden während der Behandlung mit emotional belastenden Lebensereignissen in Kontakt kommen. Denn schliesslich will man sich in der Therapie als KlientIn sicher und gut aufgehoben fühlen.

Sonstige Anwendungsgebiete der Hypnose

Auch wenn die Hypnose bei vielen Menschen als esoterischer oder mystischer Hokuspokus verschrien ist, so kann sie doch bei der persönlichen Weiterentwicklung handfeste und wertvolle Dienste leisten. Und zwar nicht nur bei Problembewältigung, Problemlösung und Entscheidungsmanagement, sondern auch bei der spirituellen Weiterentwicklung. Gerade die Tiefenhypnose in Kombination mit energetischen Ansätzen der Hypnose wie dem Mesmerismus, kann das Bedürfnis nach einer lebendigen Spiritualität befriedigen. Denn durch veränderte Bewusstseinszustände ist eine Wiederverbindung zum Transzendenten praktisch erlebbar. So sind Erfahrungen allumfassender Liebe oder des Erlebens der Verbundenheit mit anderen, mit der Natur und dem Göttlichen in tiefen Hypnosezuständen erfahrbar.

Darüber hinaus kann eine direkte Kommunikation mit dem Unterbewusstsein hergestellt werden, so das der Prozess der Selbstheilung auf wunderbare Weise unterstützt werden kann. Diese Arbeit vollzieht sich also auf tieferen Ebenen, die nicht berührt werden können, wenn im Rahmen einer Psychotherapie lediglich Gespräche geführt werden.

Klinische Hypnose in den Medien

Im Folgenden habe ich Ihnen einige Videos zusammengestellt, die bei Wunsch eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema bieten. Nachfolgend eine sehr informative Dokumentation des SWR, in der Patientinnen mit unterschiedlichen psych. und körperlichen Beschwerden mit Hypnotherapie begleitet werden:

Hier ein Video des renommierten Psychotherapeuten Dr. phil. Burkhard Peter zum Thema: Was ist Hypnose?

FAQ – Oft gestellte Fragen zur Hypnose

Werden Veränderungen bei einer Hypnosebehandlung durch die Kraft des Hypnotiseurs oder des Therapeuten erzeugt?

Nein, Hypnose ist eine Behandlungsform, bei der die Kooperation zwischen KlientIn und Hypnotherapeut zentral steht. Und die Therapie findet auf Augenhöhe statt. Ohne Kooperation des Hypnotisanden mit dem Therapeuten kann eine Hypnosebehandlung nicht funktionieren.

Können nur bestimmte Menschen hypnotisiert werden?

Tatsächlich sind manche Menschen besser hypnotisierbar als andere. Das bedeutet auch, dass nicht alle Menschen sofort tiefe Trancen erreichen. Dies ist aber für eine erfolgreiche Therapie mit Hypnose nicht unbedingt erforderlich.

Kann der Hypnotiseur mich in der Hypnose dazu bringen, etwas zu sagen oder zu tun,  was ich nicht tun oder sagen möchte?

Nein, das ist ein weiterer Mythos. Im klinisch-therapeutischen Kontext besteht zwischen Hypnotherapeut und Hypnotisand eine gegenseitig vertrauensvolle und verantwortungsvolle therapeutische Arbeitsbeziehung. Dadurch werden emotionale oder körperliche Genesung und Selbstheilungsprozesse gefördert. Der Therapeut verwendet Suggestionen und Interventionen, die der Hypnotisand akzeptieren oder ablehnen kann, so dass Hypnotisanden auch in Tiefenhypnose fortwährend vollständige Kontrolle haben und nichts tun oder sagen, was sie nicht möchten.

Ist man im Zustand der Hypnose eingeschlafen oder bewusstlos?

Auch wenn man für gewöhnlich einen Entspannungszustand in der Trance erlebt, so ist der Zustand der Hypnose gekennzeichnet von innerer Wachheit und hat nichts mit Schlaf oder Bewusstlosigkeit zu tun.

Kann man in der Hypnose oder in der Trance „stecken bleiben“?

Nein. Hypnose ist ein Zustand stark gebündelter und fokussierter Aufmerksamkeit. Der Hypnotisand kann die Hypnose in jedem Moment selbständig beenden und kehrt somit selbständig ins Alltagsbewusstsein zurück. Man kann also ebensowenig in Hypnose steckenbleiben wie im Schlaf.

Ist jemand, der gut hypnotisierbar ist, leicht beeinflussbar?

Die Fähigkeit, hypnotische Bewusstseinszustände zu erleben, hat nichts mit einem Persönlichkeitsdefekt oder negativen Persönlichkeitszügen, leichter Beeinflussbarkeit o.ä. zu tun. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, regelmäßig  hypnotische Zustände zu erleben.

Ist Hypnose Therapie?

Sie ist ein Hilfsmittel, dass ein Therapeut im Rahmen einer Psychotherapie verwendet kann. Dies bezeichnet man dann als klinische Hypnose oder Hypnotherapie/Hypnosetherapie. Wirksam im Rahmen der Therapie sind die Interventionen, die in der Trance vom Hypnosetherapeuten oder Coach angewendet werden. Die Hypnose an sich hat zwar auch schon einen gewissen therapeutischen Effekt durch die Möglichkeit des Stressabbau und der körperlichen Regeneration in tiefer Entspannung, diese sind aber nicht ausreichend zur Überwindung emotionaler Beschwerden oder Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder Traumatisierungen. Denn dazu ist es erforderlich, im Zustand der Hypnose systematisch an den Problemen zu arbeiten.

Geht Hypnose automatisch immer mit Entspannung einher?

Hypnose ist ein Zustand hochkonzentrierter Wachheit und Aufmerksamkeit. Dazu ist es jedoch nicht unbedingt erforderlich, entspannt zu sein, d.h. der Zustand der Hypnose kann auch bei physischer Aktivität erzeugt und aufrecht erhalten werden. Im gewöhnlichen Praxisalltag geht aber die Hypnose mit einer bequemen Sitzposition und einer allmählichen Entspannung einher.

Kann Hypnosetherapie auch bei meinem Problem helfen?

Scheuen Sie sich bitte nicht, mich bei Fragen einfach anzuschreiben oder anzurufen. Gerne gebe ich Ihnen eine Einschätzung, inwieweit eine Therapie bei Ihren Beschwerden erfolgversprechden ist.

Kann Hypnose schädliche Folgen haben?

Nein, sie ist einfach nur ein sehr angenehmer Zustand. Schädlich kann aber die Inkompetenz eines Hypnotiseurs sein, der nicht in der Lage ist, sach- und fachgerecht mit dieser Behandlungsform zu arbeiten, da er z.B. schlecht ausgebildet ist. Oder seine eigenen Fähigkeiten überschätzt oder generell nicht über eine Persönlichkeit verfügt, die erforderlich ist, um respektvoll und verantwortungsvoll mit anderen Menschen umzugehen.